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Zerstörung einer Kultur am Beispiel Südtirols

DenkMal

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Wie leicht es ist, Menschen ihrer Kultur zu berauben, soll am Beispiel Südtirol verdeutlicht werden.

Bemerkenswert daran ist nicht nur die Auslöschung der deutsch-österreichischen Prägung, sondern auch, dass dieses Thema erst 75 Jahre nach Kriegsende einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.

Und hier handelte es sich keineswegs um verbotenes, unzugängliches Wissen - es wäre in Landesarchiven und dem Staatsarchiv Österreich jederzeit frei zugänglich gewesen! Unvorstellbar ist auch die Tatsache, dass diese Ereignisse noch gar nicht so lang zurückliegen.

Vielen Dank deshalb an den Historiker Helmut Golowitsch, der mit seinen Nachforschungen und der Veröffentlichung des Buches „Repression. Wie Südtirol 1945/46 wieder unter das Joch gezwungen wurde“ ein bisschen Licht ins Dunkel unserer Vergangenheit gebracht hat.
Um Völker auszulöschen, beginnt man damit, sie ihrer Erinnerung zu berauben. Man zerstört ihre Bücher, ihre Kultur, ihre Geschichte, ihre Symbole, ihre Fahne. Andere schreiben dann ihre Bücher, geben ihnen eine andere Kultur, erfinden für sie eine andere Geschichte und zwingen ihnen andere Symbole und eine andere Fahne auf. Danach beginnt das Volk zu vergessen, wer es gewesen ist, wenn nicht die geschichtliche Erinnerung von neuem geweckt wird.
.... Markantestes Beispiel dafür ist der südliche Landesteil Tirols, den es 1918 besetzte, wegen seines 1915 vollzogenen Seitenwechsels im schändlichen „Friedensvertrag“ von Saint- Germain-en-Laye 1919 als Kriegsbeute zugesprochen bekam und 1920 auch förmlich annektierte. Das faschistische Italien suchte dann ab Oktober 1922 alles auszumerzen, was zwischen Brenner und Salurn auch nur im Entferntesten an die in Jahrhunderten entstandene deutsch-österreichische kulturelle Prägung erinnerte. Denn wer dem eigenen fremdes Territorium einverleibt, muss der angestammten Bevölkerung die Identität rauben, soll die Annexion Bestand haben.
Der Entnationalisierung sind die zugefügten immateriellen Schäden auf Dauer besonders förderlich, wenn zuvorderst die Umbenennung von Namen, die an Orten, Plätzen, Siedlungen, Wegen, Bächen, Flüssen und Bergen haften, angeordnet und – bis hin zu Vor- und Familiennamen, selbst auf Grabstätten – unerbittlich durchgesetzt wird.
... Mit den willkürlich gebildeten identitätsverfälschenden Namen sollte der fremdgeprägte Kulturraum nicht etwa nur geistig Italien unterworfen werden, sondern nach außen hin wurde der sprachliche Vergewaltigungsakt als „Re-Italianisierung“ ausgegeben.
Dafür musste, neben dem prinzipiellen Verbot der deutschen Sprache in der Öffentlichkeit, in Ämtern, auf Behörden, in Zeitungen, Zeitschriften und sonstigen Publikationen, vor allem das Schulwesen herhalten, wo der faschistisch-brachiale Umerziehungsfuror am rigorosesten wütete.

https://npr.news.eulu.info/2020/12/...rachten-zeigt-das-beispiel-italien-suedtirol/
folgore.jpg

Soldaten der Kampfgruppe „Folgore“ („Blitz“)

„Nachkriegspartisanen“ sowie Gewalttäter aus den Reihen des die amerikanischen Besatzungstruppen ablösenden italienischen Militärs, wie etwa der „Kampfgruppe Folgore“ und der „Kampfgruppe Friuli“, bedrohten die deutsche und ladinische Bevölkerung, plünderten, raubten, mordeten ungesühnt und hielten damit die aus persönlichem Erleben wie kollektiver Erfahrung seit 1918 eher verängstigte Südtiroler Bevölkerung nieder.

https://npr.news.eulu.info/2020/12/...rachten-zeigt-das-beispiel-italien-suedtirol/
 

DenkMal

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Wie leicht es ist, eine Gesellschaft umzukrempeln und zu steuern, zeigt auch folgendes Beispiel in Karlheinz Deschners Buch "Mit Gott und den Faschisten: Der Vatikan im Bunde mit Mussolini, Franco, Hitler und Pavelić":

Der erste Dienst, den der Exsozialist (Mussolini) dem Heiligen Stuhle leistete, war ein finanzieller. Er rettete nämlich den Banco di Roma, dem die Kurie und mehrere ihrer Prälaten hohe Summen anvertraut hatten, vor dem Bankrott, indem er auf Kosten des italienischen Staates mit ungefähr 1,5 Milliarden Lire einsprang. (…) Seit der Sanierung der Banco di Roma begannen die Lobgesänge der italienischen Bischöfe, einschließlich des Papstes, auf Mussolini. (…)
(…) nachdem Mussolini mit Hilfe des Papstes sein Ziel erreicht hatte, sollte auch der Papst (…) mit Hilfe Mussolinis an das seine gelangen. (…)
„Aber was hat der Vatikan jetzt tatsächlich bekommen? Ein zwar nur sehr kleines Territorium, aber die Anerkennung als souveräner Staat. Außerdem hat er eine Summe bekommen, deren Betrag in der Geschichte der Kirche einzig dasteht ..., das Kapital einer Weltbank“ -Francesco Nitti, ehem. Professor der Finanzwissenschaft & ehemaliger Ministerpräsident der italienischen Regierung​
(…) Der Katholizismus wurde Staatsreligion, die kirchliche Ehe der bürgerlichen ebenbürtig, die Scheidung unmöglich, der Religionsunterricht als Fundament und Krönung des öffentlichen Unterrichts an allen Volks- und Mittelschulen obligatorisch. Antikirchliche Bücher, Zeitungen und Filme wurden verboten, Kritik und Beleidigung des Katholizismus unter Strafe gestellt. Ja, der Staat verpflichtete sich, seine ganze Gesetzgebung mit dem kanonischen Recht abzustimmen. Von allen Konkordaten (), die Pius XI. bis dahin geschlossen hatte (mit Lettland 1922, mit Bayern 1924, mit Polen 1925, mit Litauen 1927), war das Konkordat mit dem faschistischen Italien für die Kurie am günstigsten. Es löschte, wie Francesco Nitti schrieb, zwei Jahrhunderte innerstaatlicher Entwicklung aus und schaffte die geistige Unabhängigkeit des Landes ab.
(…) Überhaupt bestanden damals die Bücher der italienischen Elementarschulen zu einem Drittel aus Katechismusstücken und Gebeten, zu zwei Dritteln aus Verherrlichungen des Faschismus und des Krieges, den man dann auch bald vom Zaun gebrochen hat. (S. 10, 13, 15, 16 und 20)​
 
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